Railroading

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Mit Railroading (von engl. Railroad - (Eisenbahn-Schiene)) bezeichnet man im Rollenspiel-Kontext ein Verhalten eines Spielleiters, das dessen Spieler in ihrer Handlungsfreiheit im Spiel über die gemeinsamen Spielregeln hinaus einschränkt.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Methoden des Railroadings an sich werden nicht als problematisch empfunden, sondern nur Railroading, welches gegen die Wünsche der Spielenden geht.

Generell ist gegen eine straffe Führung der Spieler durch den Spielleiter nichts einzuwenden. Diese straffe Führung wird erst dann von Spielern als einschränkend empfunden, wenn sie gegen die Interessen des Spielers und sein Ausleben der Handlungsfreiheit im Spiel geht. Wird eine (zu) straffe Führung vom Spieler wahrgenommen, dann wird sie erst als Railroading offenbar. Railroading, das niemand (negativ) auffällt, das wird nicht als Railroading wahrgenommen.

Railroading genießt unter Rollenspielern einen schlechten Ruf, da sich Spieler meist nicht gerne in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt fühlen möchten. Es gibt verschiedene Bereiche dieser Handlungs- und Entscheidungsfreiheit, in denen Spieler typischerweise durch Railroading des Spielleiters eingeschränkt werden können. Einige sind nachfolgend aufgeführt.

Man findet bisweilen mehrere Arten von Railroading zusammen vor. Dann ist die Handlungsfreiheit der Spieler starkt beschränkt und wird schnell als zu eng empfunden.

Jedoch gibt es auch Spieler, die stärker geführt werden wollen, und die ein von anderen bereits als Railroading empfundenes Spielleiterverhalten nicht als störend empfinden. Diese Spieler wollen "die Reise mitmachen", "eine spannende Geschichte erleben", "einen Charakter ausspielen" - und hierbei stört es dann auch nicht, wenn der Spieler nicht ständig alle erdenklichen Optionen zur Verfügung hat, sondern nur die vom Spielleiter präsentierte Auswahl.

Klassischer Dungeon (Räumliche Einschränkung)

Der Klassische Dungeon stellt ein "räumliches Railroading" dar, indem der physikalische Handlungsraum der Spielercharaktere auf die Dungeon-Räumlichkeiten beschränkt wird. Jedoch bleibt den Spielern dabei jede Freiheit die Geschichte, den zeitlichen Ablauf, die Charakterinteraktion und andere Aspekte des Spiels nach eigenen Wünschen zu gestalten. Es liegt nur die Örtlichkeit fest, die Interaktion mit der Örtlichkeit ist dem freien Willen der Spieler offengestellt.

Anspruchsvolle Geschichtenerzählung (Einschränkung durch vorgezeichneten Plot)

Die Anspruchsvolle Geschichtenerzählung stellt den (vorgezeichneten) Plot in den Vordergrund. Abweichungen, die nicht mehr den Anschluss des nächsten, vorbestimmten Kapitels erlauben würden, werden durch den "Erzähler" übergebügelt, bis sie passen. Dabei wird den Spielern die Ausschmückung des vorgenerierten Plots durch das Ausspielen der Charakterzüge ihrer SCs ermöglicht. Darin und in der genauen Ausgestaltung der Orte sind sie solange frei, bis sie eine plotrelevante Stelle erreichen, wo bei Inanspruchnahme (allzu) freier Entscheidungen der Spielleiter ggf. wieder auf die vorgezeichnete Geschichte zurücksteuert.

Der Markante Charakter (Einschränkung durch starre Charakterverhaltensfestlegungen)

Der Markante Charakter stellt eine feste Vorbelegung dieses SCs bezüglich seiner Verhaltensweisen, seiner Antriebe, seiner Interaktionsmittel mit den anderen Bewohnern der Spielwelt dar. Wenn sich der Spieler anders verhalten möchte, als es auf dem Charakterbogen steht, dann "regelt" der Spielleiter nach ("Da steht aber: 'attackiert jeden Elfen, dem er begegnet, weil er Nachteil 'Elfenhass +20' hat. - Also dann, Initiativwürfe bitteschön ..."). Der Charakter ist räumlich frei, kann sich seine eigene Plotrichtung aussuchen, nur "kann er nicht aus seiner Haut". - Diese Form des "charakterlichen Railroadings" kommt oft bei vorgenerierten Charakteren vor, die in einem bestimmten Szenario stark vordefinierte SC-Beziehungskonstellationen aufweisen müssen, damit das vom Autor beabsichtigte "Spannungsfeld" zwischen den SCs überhaupt vorkommt. Aber auch selbstgebastelte Charaktere können mit soviel - bewusst oder unbewusst gewählter - Einschränkung der möglichen/plausiblen Verhaltensweisen daherkommen, dass hier die Möglichkeit zum freien Spiel eingeschränkt ist.

Sonderform: Autoren-Railroading (Einschränkung durch Beschneiden der Freiheit des Spielleiters)

Es gibt auch Spielleiter, die gerne weniger Railroading betreiben würden, aber z. B. durch so manche vorgefertigte (Kauf-)Szenarien nicht so recht dazu kommen. Dies ist eine vom Spielleiter empfundene Einschränkung seiner Freiheit, mit dem Inhalt eins Szenarios flexibel umgehen zu können, ohne gleich alles selbst neu verfassen zu müssen. Diese Art des Railroadings, das "Autoren-Railroading", ist hier zunächst einmal ein Problem des Spielleiters, kann sich aber, wenn der Spielleiter versucht, den vorgegebenen Plot und die vorgegebenen Charakterverhaltensweisen sowie die vorgegebenen Räumlichkeiten des Szenarios ins Spiel zu bringen, auch als Einschränkung der Spielfreiheit der Spieler, somit als das "klassische" Spielleiter-Railroading wahrgenommen werden. In diesem Falle aber nur als Symptom, nicht als die Ursache.

Siehe auch

Persönliche Werkzeuge